„Ein außergewöhnliches Museum für einen außergewöhnlichen Verein“

Quelle: VIVA ST. PAULI Nr. 169 vom 1. Dezember 2012

Michael Pahl ist Traditionsbeauftragter des FC St. Pauli und setzt sich als Vorsitzender des Fördervereins „1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V.“ gemeinsam mit vielen anderen für ein Vereinsmuseum in der Gegengerade ein. Wir sprachen mit ihm über die Ziele und Fortschritte des Fördervereins.

Michael, „Museum“ klingt für so manchen nach angestaubten Vitrinen und alten Geschichten – passt das zum FC St. Pauli?
Der FC St. Pauli ist ein Verein der Emotionen – diese Emotionen muss auch ein Museum über den FC St. Pauli einfangen und widerspiegeln. Vitrinen alleine würden dem mit Sicherheit nicht gerecht. Bei dem kreativen Potenzial, das diesem Verein innewohnt, bin ich überzeugt, dass es gelingt, ein Vereinsmuseum zu schaffen, das es so noch nicht gegeben hat. Und das durch wechselnde Sonderausstellungen und Veranstaltungen immer wieder neu den Besuch lohnt.

Was macht einen Verein, der noch nichts Nennenswertes gewonnen hat, überhaupt „museumsreif“?
Gerade dass der FC St. Pauli noch keine Titel und Pokale gewonnen hat, aber trotzdem von so vielen Menschen geliebt wird, zeigt, dass es hier eine ganz besondere Geschichte zu erzählen gibt. Die Faszination des FC St. Pauli steckt nicht in seinen Erfolgen, sondern in seiner Fanszene, seinem Stadion, seinem Stadtteil … Eine einmalige Mischung, die ein FC St. Pauli-Museum erklären und erlebbar machen muss.

Welchen Nutzen hätte der FC St. Pauli von einem Museum?
Ich plädiere stark dafür, diesen Nutzen nicht allein in finanzieller Hinsicht zu suchen. Ein Museum ist, um „Marketingsprech“ zu benutzen, auch ein Mittel der Kundenbindung und der Markenpflege; es kann alte und neue Fans (noch mehr) für diesen Verein begeistern. Ein Museum hat also auch großen ideellen Nutzen für den Verein. Diesen Nutzen kann man gar nicht hoch genug einschätzen – zumal auch er sich mittel- bis langfristig wieder in wirtschaftlichen Nutzen verwandelt.

Was für eine Art Museum schwebt Euch vor? Soll dort nur die Vergangenheit thematisiert werden, oder auch Gegenwart und Zukunft?
Natürlich muss ein FC St. Pauli-Museum erzählen, wie aus dem Verein wurde, was er heute ist. Aber gerade die letzten Jahre zeigen sehr deutlich, dass der Verein nicht „stehenbleibt“, sondern sich ständig verändert, ebenso wie sein Stadtteil, der wiederum den Verein beeinflusst (und umgekehrt). Das geht bis hin zu gesellschaftlichen Veränderungen, die auch auf den Fußball und den FC St. Pauli abstrahlen. All das sind Themen, die ein FC St. Pauli-Museum reflektieren kann und muss.

Vor anderthalb Wochen hattet Ihr die letzte Mitgliederversammlung des Fördervereins. Was ist dort beschlossen worden?
Zum einen die Höhe der Mitgliedsbeiträge: Ab 24 Euro im Jahr kann jeder den Förderverein und damit das Museum unterstützen. Außerdem haben wir Arbeitsgruppen gebildet, um dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder und Helfer eine Struktur zu geben – schließlich gibt es viel zu tun.

Muss ich viel Zeit und Engagement investieren, oder kann ich auch nur die Idee eines FC St. Pauli-Museums fördern?
Über ehrenamtliches Engagement freuen wir uns natürlich sehr, aber eine Förderung über Mitgliedsbeiträge oder auch freie Spenden sind für uns ebenfalls sehr wertvoll.

Was sind Eure Pläne fürs nächste Jahr?
2013 sollen die Fundraising-Aktivitäten Fahrt aufnehmen – mit kulturellen Veranstaltungen und anderen Aktionen. Aber auch Planungsfragen beschäftigen den Verein. Zum Beispiel muss so bald wie möglich ein belastbarer Businessplan her. Viele Menschen haben sich in den letzten Wochen und Monaten für ein Vereinsmuseum stark gemacht. Ich bin überzeugt, dass wir sie alle und noch viele mehr für unser Ziel aktivieren können: Ein außergewöhnliches Museum für einen außergewöhnlichen Verein!

Vielen Dank für die Informationen und alles Gute fürs Museum!

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