Zur Einweihung des Harald-Stender-Platzes

Mit dem „Personenkult“ ist es beim FC St. Pauli ja so eine Sache. „Wir wollen auch unsere Helden!“, sagen die einen. „Personenkult ist unsanktpaulianisch“, sagen die anderen.
Aber selbst die größten Kritiker werden das, was vorm Heimspiel gegen Arminia Bielefeld am 11. August passierte, keinem St. Paulianer mehr gönnen als dem Geehrten: die Umbenennung des Vorplatzes der Südtribüne am Millerntor in „Harald-Stender-Platz“.

Harald Stender war nicht einfach nur ein Spieler des FC St. Pauli. Er trat 1933 in den FC St. Pauli ein – und nie wieder aus. Er war rechter Läufer in der „Wunderelf“ der Nachkriegszeit. und spielte mit den Braun-Weißen von 1948 bis 1951 jedes Jahr in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. 1948 erreichte er mit den Kiezkickern sogar das Halbfinale.

Harald Stender (rechts) im Einsatz: dem athletischen rechten Läufer lief kaum ein Gegenspieler davon. Foto: FC St Pauli. Das Buch

Harald Stender (rechts) im Einsatz: dem athletischen rechten Läufer lief kaum ein Gegenspieler davon.
Foto: FC St Pauli. Das Buch

Als Harald Stender seine aktive Karriere 1960 beendete, hatte er sage und schreibe 336 Spiele in der Oberliga (der damaligen 1. Liga) absolviert – braun-weißer Rekord. Noch bis in die 90er-Jahre hinein spielte Stender aktiv Fußball bei den „Alten Herren“ des FC St. Pauli und stand mehrere Jahre dem Ehrenrat des Vereins vor.

Harald Stender 2010

Harald Stender 2010. Foto: Christoph Nagel

Dass Harald Stender für den FC St. Pauli aber viel mehr war als nur ein Sportler, Mitglied und Ehrenamtsinhaber, zeigte sich kurz nach seinem Tod. Ultrà Sankt Pauli initiierte ihm zu Ehren eine imposante Stadion-Choreographie. Und machte deutlich: auf Harald Stender konnten sich alle einigen. Er war für alle St. Paulianer eine Identifikations- und Integrationsfigur.

Mit seiner herzlichen, offenen und bescheidenen Art verstand er es, Brücken zu schlagen zwischen den Generationen. Den Gedanken der „großen FC St. Pauli-Familie“ lebte kaum jemand so vor wie er.

Als im Sommer 2008 die neue Südtribüne eröffnet wurde, gebührte Harald Stender die Ehre, die Champagnerflasche zur Taufe an den roten Backsteinen zerschellen zu lassen. Als er zum Wurf anhob, kullerten dem Ehrenmitglied des FC St. Pauli Freudentränen über die Wangen. „Dass ich das noch erleben darf“, sagte er immer wieder.

Nicht mehr erleben durfte Harald Stender, dass vor der Tribüne, die er damals einweihen durfte, am 11. August 2013 viele Fans und Ehrengäste zusammenkamen, um an ihn zu erinnern und „seinen“ Platz einzuweihen. Aber wenn Harald auf seiner Wolke einen guten Platz hatte, ist im Himmel bestimmt auch heute die eine oder andere Freudenträne geflossen.

Michael Pahl
… ist Vereinsvorsitzender von 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V. und Traditionsbeauftragter des FC St. Pauli. Gemeinsam mit Christoph Nagel schrieb er „FC St. Pauli. Das Buch. Der Verein und sein Viertel“ und „FC St. Pauli. Alles drin“.

 

2 Gedanken zu „Zur Einweihung des Harald-Stender-Platzes

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